VANAJÕE ORG (TAL DES ALTEN FLUSSES)

Die Kõpu Halbinsel ist voller Geheimnisse und spannender Plätze. Wenn Sie genug Zeit haben, dann schauen Sie sich um, folgen Sie den Naturlehrpfaden und genießen Sie den Strand von Ristna. Wenn Sie die Zeit nicht haben, dann fahren Sie gleich auf der geraden Straße zurück in Richtung Käina und Emmaste. Folgen Sie bei der Abzweigung der Hauptstraße nach Emmaste bis zum nächsten Hinweisschild der Leuchtturm-Tour.

Photo: Hanno luukas
Foto: Hanno Luukas

„Das Tal des alten Flusses” beweist, dass Hiiumaa an machen Plätzen landschaftlich an den Rest Estlands erinnert: Bemerkenswerte Flüsse, Seen, Hügel und Täler. Vor allem die Täler erscheinen in dieser Umgebung recht ungewöhnlich: Es scheint unmöglich zu sein, in dieser flachen Gegend unter den Meeresspiegel zu gelangen. Doch das Tal mit seinen Sandbänken und seinem mysteriösen braunen Wasser ist eine wahre Perle. Es wurde 1962 unter Schutz gestellt, doch schon lange zuvor als Besonderheit erkannt. So war im 16. Jahrhundert eine Wassermühle in Õngu in Betrieb, nicht weit von diesem Bach – oder Fluss, wie ihn die Insulaner nennen. Angeblich kam es im 18. Jahrhundert zu einem Streit zwischen dem Besitzer der Mühle, dem Herren von Vaemla, und Ungern-Sternberg, dem das Land unterhalb des Flusses gehörte. Letzter entschloss sich, eine Wasser-Steuer zu erheben. Der Baron von Vaemla verweigerte die Zahlung, woraufhin Ungern-Sternberg den Bauern befahl, einen Kanal zu graben, um das Wasser umzuleiten. Somit musste sich die Wassermühle eine neue Energiequelle suchen. Rasch formte das fließende Wasser sich ein tieferes und natürlicheres Bett, das heute als „Neuer Fluss“ bekannt ist. Der ausgetrocknete Verlauf des alten Flusses ist immer noch erkennbar.

Die Natur formt sich auch heute noch die Landschaft hier. Fast jedes Jahr fallen größere Bäume von der Kante des Talhangs, verändern dessen Grenze und führen zu Sandrutschungen. Wenn wir davon sprechen, dass Hiiumaa eine sandige Insel ist, dann ist das „Tal des alten Flusses” das beste Beispiel hierfür.

Hier wächst Seidelbast und Lachsforellen suchen den Fluss zum Laichen auf. Zu Beginn des Frühjahrs bestimmen Stechmücken die Szenerie. Auch der europäische Nerz versucht in diesem Gebiet wieder Fuß zu fassen im Rahmen eines groß angelegten Wiederansiedlungsprojektes für diese fast ausgestorbene Tierart. Der Zoo von Tallinn bereitet die Tiere auf ihr Leben in der Wildnis vor. Die ersten Nachkommen in freier Wildbahn wurden geboren, doch bleiben nach wie vor Probleme, die es zu lösen gilt.

In der Nachbarschaft des „Tal des alten Flusses“ wurde bunte Erde gefunden; aufgelöst in Wasser wurde sie im vergangenen Jahr zum Anstreichen von Häusern genutzt.

Legenden und Geschichten

Obwohl der Ort „Tal des alten Flusses“ genannt wird, erzählen Legenden von der Entstehung des neuen Flusses. Es kursieren Geschichten über einen Arbeiter – z.T. auch über den Riesen Leiger –, der sich eines Tages entschloss, hier Rast zu machen. Bevor er sich niederließ, rammte er seine Schaufel so fest in die Erde, dass sie darin etwa bis zur Hälfte verschwand. Als er schließlich seine Reise fortsetzte und die Schaufel unter Mühen wieder aus der Erde zog, bildete sich ein großes Loch. Wasser begann aus dem Loch zu fließen, suchte sich seinen Weg durch den Sand und formte ein tiefes Tal.