KÕPU LEUCHTTURM

Sie können die Straße von Kärdla nach Kõpu erreichen, indem Sie durch die Ortschaft fahren, Sie müssen also nicht den gleichen Weg zurück. Auf Ihrem Weg zum Kõpu Leuchtturm ist es möglich, in dem kleinen Dorf Luidja Rast zu machen, wo sich ein schöner Sandstrand befindet. Von hier aus können Sie nun entweder die alte, kurvenreiche und ungeteerte Straße nehmen oder dem Wegweiser in Richtung Emmaste folgen. Nach etwa 3 km erreichen Sie dann die neue geteerte Straße nach Kõpu. Fahren Sie diese Straße entlang bis zum Hinweisschild für den Leuchtturm, biegen Sie dort rechts ab und folgen Sie dem linken Weg bergauf.

Photo: Tiit Leito
Foto: Tiit Leito / www.fotokogu.com

Der betagte Kõpu Leuchtturm steht an der Spitze des Hügels wie eine dickere Frau mit einem roten Zopf und glitzernden Augen. Sechstausend Tonnen Stein und eine Höhe von 36 Metern sprechen für sich.

Die Geschichte des Leuchtturms begann vor mehr als 500 Jahren, als die Vereinigung der Hanse ein wirksames Seezeichen forderten, nachdem sich die Händler beschwerten, dass viele Schiffe in der Ostsee verloren gingen. Es überrascht nicht, dass der Rat der Stadt Tallinn daraufhin mit dem Bischof von Ösel-Wiek die Verhandlungen über die Erlaubnis, ein Seezeichen bauen zu dürfen, aufnahm. Man legte sich auf den Andrusemäe Hügel als Standort fest und der endgültige Vertrag hinsichtlich der Bauarbeiten wurde 1500 unterzeichnet. Heute heißt die höchste Erhebung Hiiumaas Tornimägi (Turmhügel, 68 m). Die Insulaner, die ihren Lebensunterhalt auch durch die Plünderung von auf Grund gelaufenen Schiffen verdienten, waren hingegen vom neuen Seezeichen nicht begeistert, da sie um ihre Einnahmen fürchteten.

Die Bauarbeiten starteten gegen 1504. Die Einheimischen sorgten für Probleme, da sie nicht ohne vorherige Bezahlung zur Arbeit erscheinen wollten. Kriege, die Pest und Hungersnöte verlangsamten den Fortgang der Bauarbeiten ebenfalls. Am meisten wurde zwischen 1514 und 1519 geschafft, als zusätzlich zu den anderen Bauarbeitern auch 15 Steinmetze sich auf der Baustelle aufhielten. 1531 war ein erstes Seezeichen weitgehend fertig gestellt, aber Verhandlungen darüber, ob man es noch höher bauen sollte, begannen postwendend. Als Gegenleistung für die Erlaubnis, das Seezeichen bauen zu dürfen, handelte der Bischof einen sehr großzügigen Salzanteil und große Abgaben an Wein aus. Der Rat der Stadt Tallinn musste viele Kompromisse eingehen.

Historische Dokumente lassen vermuten, dass das Seezeichen von Kõpu erst 1649 zu einem echten Leuchtturm wurde, als eine hölzerne Treppe an der Außenwand gebaut und der Feuerrost für Kohle und Holz auf die Spitze gehievt wurde. Etwa 800-1000 Klafter Feuerholz wurden pro Jahr verbraucht. Eine Vorschrift von 1652 bestimmte, dass das Feuer stark und einen Klafter hoch brennen musste und der Wachmann nicht schlafen durfte. Doch noch immer brachten Regen und Sturm das Feuer regelmäßig zum Erlöschen. 1659 ging der Turm in Privatbesitz über und wurde dann der Reihe nach von den De la Gardies, Stenbocks und Ungern-Sternbergs betrieben – alles bekannte Namen in der Geschichte Hiiumaas. In den 1660er ersetzte eine Eisentreppe die hölzerne. Größere Umbauarbeiten begannen 1810 als der Turm unter die Zuständigkeit der russischen Herrschaft fiel. Zu dieser Zeit wurde ins Innere des Turmes eine Treppe gehauen, die seitdem benutzt wird. 1845 machte ein Riss im oberen Teil des Leuchtturms umfangreichere Renovierungsmaßnahmen nötig. Während dieser erreichte der Turm auch seine endgültige Höhe. Öllampen und ein Spiegelsystem ersetzten das offene Feuer und ein Laternenraum mit Prismen wurde 1900 auf der Weltausstellung in Paris erworben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer noch Acethylen-Gas für das Licht benutzt, bevor es 1963 von einem automatischen elektrischen System abgelöst wurde. Ende der 1980er begann der Leuchtturm ziemlich schnell zu zerfallen (wahrscheinlich hervorgerufen durch eine nicht geeignete Außenfarbe). Man entschied sich dafür, der „fülligen älteren Dame” ein etwa 10-15 cm dickes verstärkendes Betonkleid anzulegen. Kõpu, der drittälteste ohne Unterbrechung in Betrieb stehende Leuchtturm der Welt, sieht nun wieder jugendlich und schön aus. Der Ristna Leuchtturm ist heute mit modernen Radiotransmittern ausgestattet, aber der Kõpu Leuchtturm spielt eine wichtige Rolle im Bewahren alter Traditionen und sieht für sein Alter immer noch blendend aus. Darüber hinaus ist er der einzige Leuchtturm auf Hiiumaa, den man besteigen kann und der einen großartigen Blick über die Insel von seiner Spitze bietet.