NÜTZLICHE INFORMATIONEN
LEUCHTTURMTOUR
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15. AUSSTELLUNGSGEBÄUDE DES HIIUMAA MUSEUMS IN KASSARI
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18. VAEMLA WOLLFABRIK ODER DAS UNTERNEHMEN 'HIIU VILL' (DAGÖ WOLLE)
 
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SUUREMÕISA SCHLOSS

Fahren Sie auf dem Weg nahe der Kirche weiter (anstatt zurückzufahren) bis Sie die asphaltierte Straße erreichen; biegen Sie nach rechts ab und fahren Sie durch die Allee von Eichenbäumen. Biegen Sie an der ersten größeren Kreuzung nach links ab, fahren Sie am Herrenhaus vorbei und stellen Sie Ihr Fahrzeug auf dem hinteren Parkplatz ab.

Foto: Tiit Leito
Foto: Tiit Leito / www.fotokogu.com

Schloss ist natürlich nur ein Kosename für das größte und besterhaltenste Herrenhaus der Insel. Legenden und wahre Geschichten tragen ihren Teil zur Faszination bei, die von diesem Gebäude ausgeht.

Bevor das Herrenhaus gebaut wurde gab es in der näheren Umgebung bereits das Gutshaus von Pühalepa bzw. Hallika; es gehörte seit dem 17. Jahrhundert der Familie De la Gardie. Jakob De la Gardie wurde zum Verwalter Estlands während das Land unter schwedischer Herrschaft stand und erwarb ganz Hiiumaa. Der Name des Ortes bestätigt die Existenz eines stattlichen Herrenhauses, da von 1633 an der Ort unter dem Namen Großenhof oder Suuremõisa (Großes Herrenhaus) bekannt ist. Schon damals verfügte das Herrenhaus über einige Nebengebäude und eine sehr große Obstplantage. Das derzeitige Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts unter der Gräfin Ebba Margaretha Stenbock (1704-1775) gebaut, einer Urenkelin De la Gardies (1583-1652). Sie war eine Witwe mit etwa einem Dutzend Kindern, ließ sich auf Hiiumaa nieder und pochte gegenüber dem russischen Zaren auf ihr Erbrecht hinsichtlich des Grundstückes. Die Gräfin liegt im Mausoleum nahe der Pühalepa Kirche begraben.

Einige dramatische Ereignisse fanden im Herrenhaus während der Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert statt. Baron Otto Reinhold Ludvig von Ungern-Sternberg (1744-1811) war ein Geschäftsmann mit deutsch-baltischen Wurzeln, der Suuremõisa zum Zentrum der florierenden Schiffsindustrie und der Rettung Schiffbrüchiger machte. Er war ein besserer Geschäftsmann als sein Schulfreund Jacob Pontus Stenbock (1744-1824), der hoch verschuldet war, so dass Ungern-Sternberg ihm das Herrenhaus von Suuremõisa 1796 abkaufte als Ergänzung zu den Herrenhäusern in Nord-Hiiumaa, die bereits in seinem Besitz standen. Aber sein Glück hielt nicht lange an. Sein ältester Sohn beging Selbstmord und er selbst ermordete Carl Malm, einen seiner Kapitäne schwedischen Ursprungs. Nach einer langen Verhandlung wurde O. R. L. von Ungern-Sternberg 1803 nach Sibirien deportiert. Während der Verhandlung legten ihm die Ankläger auch die Verantwortung für Piraterie, Entführungen und sonstige Gaunereien zur Last. Er wurde des Mordes für schuldig erklärt, die anderen Vorwürfe konnten ihm nicht nachgewiesen werden. Man muss in Betracht ziehen, dass es unter den Bauern und Grundherren zu dieser Zeit üblich war, dass Reichtum durch feindliche Übernahmen erzielt wurde. Wie dem auch sei, der Baron hat bis heute den Ruf als Pirat und Mörder.

Doch die Familie wurde nicht ihrer Güter beraubt und die Ungern-Sternbergs spielten auch für die nächsten 140 Jahre weiterhin eine bedeutende Rolle in der Geschichte Hiiumaas. Der letzte Gutsherr, Evald Adam Gustav Paul von Ungern-Sternberg, starb unerwartet 1909, ohne einen Erben zu hinterlassen und so waren die folgenden Jahre für das Herrenhaus recht schwierig. Der Großteil der umfangreichen Bibliothek und der Besitztümer wurden während des Ersten Weltkriegs und den darauf folgenden Jahren verkauft oder gestohlen. Zu Beginn der ersten Estnischen Republik 1918 wurde das Herrenhaus als Schule genutzt, aber einige Räume gehörten immer noch den letzten Nachkommens Ungern-Sternbergs, Helene und Klaus. Sie selbst hatten keine Kinder, aber die Kinder des Dorfes werden bis zum heutigen Tag hier ausgebildet. Im Moment sind im Herrenhaus eine Fachoberschule und eine Grundschule untergebracht. Trotz der intensiven Nutzung haben die Schulen auch dazu beigetragen, das Herrenhaus zu erhalten.

Tipp: Sie können auf einem ausgeschilderten Pfad den Park des Herrenhauses näher kennen lernen (folgen Sie einfach den Wegweisern und Informationstafeln).

Legenden und Geschichten

Etliche mysteriösen Geschichten sind mit dem Herrenhaus verbunden. Viele Leute geben an, besonders nachts Stimmen von Geistern gehört oder sie gar gesehen zu haben. Vor langer Zeit, als die Stenbocks und der Pfarrer Chalenius (1741-1776) im Herrenhaus lebten, soll die Situation außer Kontrolle geraten sein. Der Teufel höchstpersönlich nahm demnach manchmal an Kartenspielen teil, ohne dass die Gutsherren es bemerkt hätten. Die älteren Leute berichten auch davon, dass der Teufel das Herrenhaus für sich selbst gewinnen wollte, nachdem es vollendet war. Da die Hausherren damit nicht einverstanden waren, erschien der Teufel jede Nacht, um die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Schließlich wurde der Pfarrer gerufen, um eine Teufelsaustreibung durchzuführen. Er kam ins Herrenhaus und legte sich auf eine Couch in dem Raum nieder, wo sich die Bösen für gewöhnlich versammelten, und teilte einen hölzernen Apfel in zwei Teile. Einen Teil platzierte er auf dem Tisch, den anderen auf seiner Brust. Der Pfarrer wusste, dass der Teufel das Haus betreten hatte, als die eine Apfelhälfte von Tisch herüber zu ihm zur anderen Hälfte flog. Er begann die Worte des bösen Geistes aufzusagen. Als er damit fertig war, bekreuzigte er die Tür dreimal und sagte das Vaterunser siebenmal an jedem der Fenster auf. Jede Ritze und jeder Spalt der Wand war durch das Zeichen des Kreuzes geschützt. Der Teufel war ausgetrieben. Daraufhin zog sich der Teufel in seine Schmiede in Kallaste zurück, von wo ihn schließlich die Dorffrauen ein für allemal austrieben.

 
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