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KÕRGESSAARE-VISKOOSA

Fahren Sie vom Parkplatz aus nach rechts weiter, bis in etwa 2 km Entfernung ein Schild den Weg zum Zentrum Kõrgessaares mit den Resten des dortigen Herrenhauses weist.

Photo: Meelis Lokk
Foto: Meelis Lokk / www.fotokogu.com

Die industriell geprägte Siedlung von Kõrgessaare befindet sich auf der Halbinsel Ninametsa. Einstmals war hier auch ein Herrenhauskomplex, worauf noch einige ältere allein stehende Gebäude hinweisen wie das Lagerhaus für Spirituosen (Viinaköök), das aus Feldsteinen gebaut wurde (in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts) sowie die im Verfall begriffenen Kornspeicher und Keller. Das hölzerne Haus des alten Grundherren stammt ebenfalls aus der herrschaftlichen Zeit. Später diente es als Kindergarten und Grundschule und zuletzt als Gemeindezentrum und Bibliothek. Vor Viinaköök und hinter dem Löschteich befindet sich ein Denkmal bestehend aus zwei großen Steinen. Es ist der Mannschaft des Feuerschiffs gewidmet, das den Neckmansgrund bewachte und in der ersten Nacht des Zweiten Weltkriegs versenkt wurde.

Alle der bekanntesten Grundherren von Hiiumaa lenkten das nun verfallene Herrenhaus von Kõrgessaare, einschließlich der De la Gardies, Stenbocks, Ungern-Sternbergs und Stackelbergs. Das Anwesen befand sich in der Nähe eines besonders rauen Abschnittes des Meeres und oftmals musste die Lokalbevölkerung in Schiffsnot geratene Seeleute retten, wofür sie mit Silberkelchen und anderen Auszeichnungen geehrt wurde. Die Leute erinnern sich daran, dass der Garten des Herrenhauses immer voll von zum Trocknen ausgehängten Seidenstoffen und anderem Luxus war.

Ein Jahr vor seinem Tod (1909) verkaufte E. A. P. K. von Ungern-Sternberg seinen Landbesitz hier an H. Kogan, der ihn wiederum an die Fabrik „Viskoosa” weiterveräußerte, die hier die erste Kunstseidenfabrik Estlands bauen wollte. Die Hauptbauphase dauerte von 1911 bis 1914. Der erste Abschnitt der Fabrik wurde 1914 fertig gestellt und im selben Jahr begann man mit den Testproduktionen. Das Rohmaterial, Wasser mit Zellstoff, wurde aus Finnland und Russland importiert. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs endete die Geschichte der Fabrik. Die neuen Maschinen, die erst einen Monat in Betrieb waren, wurden evakuiert. Der Name „Viskoosa“ jedoch blieb, sogar nachdem die Russen die Fabrik 1917 in die Luft sprengten.

Die großen Ruinen warteten auf bessere Tage, doch nichts geschah während der ersten Unabhängigkeit Estlands zwischen den beiden Weltkriegen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Kõrgessaare wieder Industrie angesiedelt und in den Gebäuden wurden Fisch und Fleisch verpackt. Seltsamerweise nannten die Einheimischen die Fabrik immer noch bei ihrem alten Namen, Viskoosa. Obwohl dies offiziell nur noch der Name einer Bushaltestelle ist, hat er in der Umgangssprache der Bevölkerung überlebt. Der Name des Hafens jedoch ist Kõrgessaare und alle Einheimischen und Sommergäste verbinden diesen Namen mit der Flunder, da in dieser Gegend die größten Fangmengen dieser Fischart erzielt werden.

Kõrgessaare kann man heute als architektonische Besonderheit betrachten, wo man Exkursionen hinsichtlich der Geschichte der Architektur des Wohnungsbaus durchführen kann. Die Viertel der Landarbeiter aus der herrschaftlichen Zeit sind noch erhalten, genauso wie die großen russischen Militärgebäude, die Plattenbausiedlungen aus der späten Sowjetzeit und einige Privathäuser dazwischen. Wohl an keinem Ort auf Hiiumaa kann man auf engstem Raum so eine Vielfalt an Baustilen vorfinden.

Der industrielle Charakter des Gebiets machte größere Investitionen nötig. Die Reinigungsanlagen, die hier in den 1990ern eröffnet wurden, waren für Estland so bedeutend, dass sogar der schwedische und der estnische Ministerpräsident zur Eröffnung kamen, um den Grundstein zu legen.

Umgebung

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