Ein Blick in die Geschichte von Hiiumaa

Über die Frühgeschichte Hiiumaas können die Archäologen einiges erzählen. Mit jeder Forschungsexpedition wird diese Erzählung spannender und faktenreicher. Man hat hier schon über ein Dutzend aus der Steinzeit stammende Siedlungs- oder Aufenthaltsstätten gefunden. Bei den Ausgrabungen gefundene Knochen, Tonscherben oder Werkzeugfragmente helfen dabei, sich eine Vorstellung über das Leben vor Jahrtausenden zu machen.

Die Fundstücke erzählen unter anderem darüber, dass Menschen schon vor mehr als 7000 Jahren nach Hiiumaa kamen. Hier wohnte man aber nur saisonal, um zu fischen und Robben zu fangen. Die Entdeckung der frühzeitlichen Felder aus dem 11.-12. Jahrhundert besagt aber, dass sich auf der Insel damals schon feste Siedlungen befanden. Vermutlich entstanden diese schon früher, etwa um 1000-500 v.Chr., als man anfing, die Toten in Steingräbern beizusetzen.

Trotzdem verbleiben etwa zehn Jahrhunderte in der Geschichte Hiiumaas, über die wir kaum etwas wissen. Weiter erzählen schon schriftliche Dokumente aus den Archiven:

Jahr / Ereignis

1228 – Die Insel wird unter dem Namen Dageida erstmals schriftlich erwähnt.

1254 – Hiiumaa wird zwischen dem Bistum Ösel-Wiek (ecclesia Osiliensis) und dem Deutschen Orden aufgeteilt. Es werden erste Ortsnamen erwähnt, wie z.B. Soela Sund, Orjaku, Sarwo (Sõru, Sarve?), Reigi und Pihla Insel.

ca. 1255 – Mit dem Bau der Steinkirche in Pühalepa wird begonnen.

1470er Jahre – Der Schreinaltar der Pühalepa Kirche, der der Heiligen Anna gewidmet ist, wird angefertigt.

1490er Jahre – Die Hanse strebt wiederholt den Bau eines Seezeichens auf Hiiumaa an.

1492-1515 – In Käina wird eine Steinkirche gebaut.

1504-1505 – Die Jahre der Großen Pest

1504-1531 – Der Leuchtturm Kõpu wird gebaut.

1559-1563 – Bistum Ösel-Wiek; ein Teil von Hiiumaa gehört dem dänischen Herzog Magnus.

1563 – Hiiumaa wird von den Schweden erobert, die sog. Schwedenzeit beginnt.

1564 – Ersterwähnungen mehrerer Dörfer, darunter Kärdla.

1582-1594 – In Reigi arbeitet die Salzkammer.

1603 – Hunger und Pest

1612 – Großer Raubzug der Dänen auf Hiiumaa.

1624 – Der Graf J. De la Gardie ersteht den Großteil der Insel infolge eines Kaufes.

1627 – Die Reigi Kirche wird eigenständig und das Kirchspiel Reigi entsteht.

1628-1664 – Im Dorfe Hüti arbeitet Estlands erste Glasmanufaktur.

1710 – Hiiumaa wird Teil des russischen Imperiums, ein Friedensvertrag wird abgeschlossen.

1716-1720 – Die Insel ist der Russischen Admiralität unterstellt.

1755-1758 – E. M. Stenbock (1704-1775) beansprucht wieder sein Landrecht auf Hiiumaa. Der Bau des Herrenhauses in Suuremõisa beginnt, die Stackelbergs ziehen nach Kassari.

1779 – Das jetzige Pastoratsgebäude in Reigi wird fertiggestellt.

1779-1782 – Das Herrenhaus in Emmaste (derzeit als Schulgebäude verwendet) wird gebaut.

1781 – Die Schweden aus Reigi werden in die Süd-Ukraine umgesiedelt.

1781 – O. R. L. von Ungern-Sternberg (1744-1811) kauft Gutshöfe im nördlichen Hiiumaa und zieht auf die Insel.

1796 – Die Ungern-Sternbergs kaufen auch den Gutshof Suuremõisa und besitzen demzufolge den Großteil der Insel.

1802 – Die Steinkirche in Reigi wird fertiggebaut.

1803-1804 – O. R. L. von Ungern-Sternberg wird wegen der Tötung von Kapitän Malm verurteilt und nach Sibirien verbannt.

1819 – Das Hauptgebäude des Gutshofs Putkaste wird fertiggebaut (der Gutshof wurde schon im Jahr 1524 unter dem Namen Saulepa erstmals erwähnt).

1820 – Die Steinkirche in Paluküla wird gebaut.

1829 – Die von den Brüdern Ungern-Sternberg gegründete Tuchfabrik Hiiu-Kärdla nimmt die Produktion auf.

1848 – Im Großhafen (Suursadam) wird das Segelschiff mit dem Namen „Hioma“ gebaut. Es wurde zum ersten estnischen Schiff, das den Äquator überquerte und das Kap Hoorn umsegelte.

1851 – Der bedeutende Naturwissenschaftler K. E. von Baer stattet Hiiumaa einen Besuch ab.

1863 – Der Künstler J. Köler weilt im Gutshof Vaemla und malt hier etwa 10 Landschaftsbilder. Die neue Steinkirche in Kärdla wird geweiht.

1866 – Das Kirchspiel Emmaste wird gegründet, ein Jahr später wird die neue Steinkirche fertiggebaut.

1873 – Im Küsterhaus von Käina wird der Komponist Rudolf Tobias geboren.

1874-1875 – Die Leuchttürme in Ristna und Tahkuna werden gebaut.

1884 – Der Baptismus verbreitet sich auf Hiiumaa.

1890er Jahre – Auf Hiiumaa werden drei orthodoxe Kirchen gebaut.

1908 – Mänspäe bekommt eine neue Kirche.

1911 – In Kõrgessaare entsteht die erste Kunstseidenfabrik Estlands, „Viscosa“.

1913 – Hiiumaa wird elektrifiziert, Kärdla bekommt ein Kino.

1917-1918 – Die Deutsche Okkupation.

1918 – Hiiumaa wird Teil der unabhängigen Republik Estland.

1924 – Die Inselbewohner hören die erste Radioübertragung.

1926 – Das erste Gesangfest in Hiiumaa

1934 – Der erste Tag der Landfrauen von Hiiumaa in Käina

1937 – Die Torfindustrie nimmt die Produktion auf.

1938 – Kärdla bekommt das Stadtrecht.

1939 – Mit dem Bau der sowjetischen Militärstützpunkte wird begonnen.

1940 – Hiiumaa wird von der Sowjetunion okkupiert.

1941 – Erste Deportationswelle; der Krieg erreicht die Insel, die Tuchfabrik wird niedergebrannt, es beginnt die deutsche Okkupation.

1944 – Die Sowjetarmee okkupiert die Insel erneut.

1948 – Die erste Kolchose mit dem Namen „Käina Säde“ („Funke Käina“) wird gegründet.

1949 – Zweite Deportationswelle; die Fischerkolchose „Hiiu Kalur“ („Fischer von Hiiumaa“) wird gegründet.

1961 – In Kõrgessaare geht die Fischfabrik in Betrieb.

1989 – Mit der Generalsanierung des Leuchtturmes Kõpu wird begonnen; Das Biosphären-Schutzgebiet der westestnischen Inseln wird gegründet.

1990 – Die ersten Internationalen Tage von Hiiumaa finden statt; der Landkreis Hiiu wird wiederhergestellt.

1991 – Estland erklärt seine Unabhängigkeit.

1993 – Die letzten sowjetischen Truppen verlassen die Insel.

1996 – Die Fahne und das Wappen vom Kreis Hiiu werden in der Staatskanzlei registriert.